Russland-Geschäfte der Österreichischen Lotterien

Österreichische Lotterien ziehen im äußersten Osten Russlands eine Lotterie auf.

(Wien, im März 2009) Es ist eine Premiere und ein Risiko. Die Österreichischen Lotterien planen erstmals seit 13 Jahren wieder ein Auslandsabenteuer. Der staatliche Glückspielmonopolist wird nach Russland gehen und das novellierte russische Glückspielgesetz 2007 ausnutzen. Dieses sah einen harten Schnitt für alle Casinokonzessionen vor und will den russischen Glückspielmarkt neu ordnen.

Derzeit stehen in Russland 350.000 Spielautomaten, 4.000 Spieltische und 169 Casinos. Alleine in Moskau stehen rund 100.000 Spielautomaten, 2.000 Spielhallen und 56 Casinos. Die Zahl der Casinos ist nur in Las Vegas (124) und Miami (74) höher. Durch die liberale Lizenzvergabe in den 21 Teilrepubliken der russischen Föderation in den 90er Jahren bildeten sich 6.300 konzessionierte Glückspielbetreiber und Lotterienanbieter heraus. Darunter waren auch viele unseriöse. Daher ordnet die Zentralregierung in Moskau das Glückspielgesetz nun neu. Ab 1. Juli 2009 will man nur noch in vier Regionen der Föderation Casinos zulassen (Kaliningrad, Altai, Primorsky und Krasnodar).

Russen und Glückspiel

Auf diese Neuordnung der förderalen Glückspielgesetze reagierte nun die Teilrepublik Baschkortostan im äußersten europäischen Osten der russischen Förderation. Man schloss mit 31. Dezember 2007 alle Spielhallen im Land. Baschkortostan hat 142.900 qkm Fläche und vier Millionen Einwohner. Die Mehrheit der Bevölkerung sind sunnitische Islamisten. Baschkortostan ist die größte und bevölkerungsreichste muslimische Republik in der russischen Förderation. Im Land mit der Hauptstadt Ufa leben Stämme der Baschkiren, Ukrainer, Tartaren, Tschuwaren und Mari.

Nach Schließung der Casinos und Spielhallen Ende 2007 sah sich die Republik Baschkortostan am Weltmarkt um – und fand Österreich. Staatschef Murtasa Rachimov will die Verluste durch den Casinoentzug durch die Moskauer Regierung mit einer neuen Lotterie kompensieren. Diese stammt aus Österreich und heißt: 6 aus 40.

6 aus 40

Laut der Zeitschrift „Loterei Vnutrenne“ (Lotterien Intern) der russischen Niederlassung der Österreichischen Lotterien, Spezialausgabe 1-2009, fand vor weniger als einem Jahr, am 17. April 2008, die erste Projektsitzung („BaschLotto“) statt. Am 11. April 2008 wurde die Absichtserklärung zwischen der Generaldirektion Stoss (Österreichische Lotterien) und Regierungsvertretern der Republik Baschkortostan unterzeichnet. Mit Unterstützung des baschkirischen Finanzministeriums wurden im Juli 2008 die ersten Mitarbeiter angestellt. Der Markteinstieg wurde mit 1. Jänner 2009 angepeilt und mit dem Start des Rubbelloses „Glückliche Herzen“ am 25. Dezember 2008 erfüllt (140 Verkaufsstellen).

Das erste österreichische Rubbellos - Glückliche Herzen - ging am 25. Dezember 2008 in Baschkortostan an den Start. (Foto: Loterei Vnutrenne/Lotterien Intern)

Damit im Juni 2009 das zentrale baschkirische Ziehungslotto 6 aus 40 (1.000 Annahmeterminals und Rechenzentrum in Hauptstadt Ufa) starten kann, wurden Strukturen errichtet. Zuerst wurde die „Russisch-Österreichische Lotterien Holding GmbH“ gegründet. Zu 59% ist die „Österreichische Lotterien Gesellschaft“ (ÖLG) beteiligt. Weitere 7 % hält die oberösterreichische Firma Keba AG, die Automaten und Terminals herstellt. 34% der Holding hält der österreich-russische Geschäftsmann mit Doppelstaatsbürgerschaft Vadim Pletnev mit der Wiener Firma „VPB Beteiligungs GmbH“. Da eine österreichische Holding vor Ort einen russischen Firmenmantel braucht, wurde die „000 Ural Lotto“ (Ural Lotto GmbH) gegründet, an der die „Russisch-Österreichische Lotterien Holding GmbH“ 100% hält. Sie hat ihren Sitz in der Karl-Marx-Straße in Ufa. Geschäftsführer wird der Wiener Michael Grech sein.

Österreichische Erfindung - Basch-Lotto in Baschkortostan.

Nachdem der Firmenmantel und die Struktur errichtet waren, gab es bis Ende Jänner 2009 das lange Zittern, ob man überhaupt eine Lizenz für die große nationale Ziehungslotterie bekommt. Die Lizenz wurde am 30. Jänner 2009 durch die Wertpapierkommission der Republik Baschkortostan erteilt. Doch auch mit Struktur und Lizenz lässt sich noch kein Lotto spielen. Daher wird nun die Trommel gerührt. Für Marketingmaßnahmen und Personalrecruiting sind größere Mittel vorgesehen. Der Vertrieb läuft wie in Österreich mit den Keba-Geräten, die in 1.000 Lottoannahmestellen in Trafiken und Kiosken installiert werden. Diese laufen online mit einem zentralen Rechenzentrum im Hauptsitz der „Ural Lotto“ in Ufa zusammen. Der Hauptsitz sind angemietete Büros in einem Einkaufscenter in der City von Ufa. Verhandlungen mit dem baschkirischen TV-Sender stehen noch aus. Mittlerweile ist seit Dezember 2008 auch eine Webseite online.

Die Österreichischen Lotterien lassen sich das Russland-Abenteuer vorerst rund 15 Millionen Euro kosten.

„Die Poesie des Spiels“

Das neue „Basch-Lotto“ aus österreichischer Hand läuft zu Beginn ohne Joker. Der „Joker“ (Zahlenreihe) soll 2010 auf den Schein kommen. Bis 2011 will man 2.000 Terminals für die große Ziehungslotterie errichtet haben.

Wozu das Ganze? „Mit den österreichischen Lotterien wurde ein Partner gefunden, mit dem die turbulente Geschichte (Glücksspielnovellen 2007, Marktbereinigung 2009, Anm. B&G) durch eine erfolgreiche Zukunft ersetzt wird.“ Die ÖLG meint: „So können die Baschkiren auch in Zukunft wieder die Poesie des Spiels genießen.“

Offenbar denkt bei Glückspiel immer jeder gleich an Fidor Dostojewskis „Der Spieler“. Wahr ist: Das Buch handelt von Spielsucht.

Marcus J. Oswald (Ressort: Spiel und Spass, Lotterien)

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