
Novomatic will Zürich erobern, wird aber am eigenen Automaten von Russen ausgenommen. (Foto: Logo AGI, 2011)
(Wien, im Mai 2011) In Wien herrscht betretenes Schweigen. Keine Pressemitteilung auf der sonst so breit aufgestellten Jubelhomepage des Glücksspielkonzerns Novomatic. Die Vorwürfe kommen auch zur Unzeit. Denn aktuell ist die Lizenz für das Casino Zürich ausgeschrieben und Novomatic will den Zuschlag.
Dann geschah dieses: Ende 2010 wurde ein Russe kurzzeitig festgenommen. Man konnte ihm nichts nachweisen, doch in Manier von Ocean 11, 12 oder 13 hatte die neunköpfige Gang, der er angehören soll, Novomatic-Automaten ausgenommen. Das sagt zumindest der Schweizer Casinoverband, der dem Automatenhersteller schwere Sicherheitsmängel vorwirft. Für den Verband steht fest: Ende 2010 haben in Schweizer Casinos neun russische Spieler die dort aufgestellten Novomatic-Automaten der Marke “Gaminator” und “Supergaminator” auf legale Weise und zugleich illegale Weise geplündert.
Neun russische Spieler Marke Ocean Eleven
Der Schweizer Casino Verband, der 17 von 19 Schweizer Casinos vertritt, wirft der Novomatic vor, dass sie als Herstellerfirma nicht genug für die Sicherheit des Spiels getan habe. Das behauptet man in einer Aussendung vom 20. April 2011, die nicht auf der Verbandswebseite veröffentlicht ist, aus der aber die “Neue Zürcher Zeitung” (NZZ) in ihrer Sonntag-Ausgabe am 1. Mai 2011 zitiert. Die Österreichische Firma Novomatic weist die Vorwürfe zurück und will sie klein halten.
Fakt ist: Neun russische Trickspieler haben im Ocean Eleven-Style abgesahnt. Die Beträge werden in der NZZ vom 1. Mai 2011 nicht genannt, auch nicht die Methodik des Betrugs. Die Beträge dürften namhaft gewesen sein. Mutmaßungen gehen dahin, dass sich die Russen nach der Glücksspielreform 2009 in Russland und der Schließung aller alten Casinos und Neuausschreibung in wenigen Kernzonen Novomatic-Automaten sicherten, um diese zu studieren. Die Spielbetrüger haben den Algorithmus herausgefunden und offenbar eine Technik entwickelt, um ihn zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Das führte zu sehr hohen Gewinnausschüttungen.
“Dass es ausgerechnet russische Ganoven sind, die Novomatic-Geräte austricksen, ist kein Zufall”, zitiert die NZZ einen Schweizer Branchenkenner, der anonym bleiben will. Novomatic hat vor allem Moskau flächendeckendend mit tausenden Automaten beliefert. Laut dem Branchenkenner, den die NZZ aufbietet, haben die Russen mit Hilfe eines externen Programms Gewinne vorhergesagen können und das Spiel beeinflusst.
„Keine Mängel“
Im Dezember sind die Vorfälle geschehen und es ist klar, dass die Novomatic den Deckel drauf hält. Auf der Webseite novomatic.com findet man keine Spur von den Vorfällen in der Schweiz. In einem internen Kundenschreiben aus dem Februar 2011, das nicht-öffentlich ist, das aber in der NZZ aufgetaucht ist, steht jedoch zu lesen, dass man im Dezember einen “Software-Update” gemacht habe. Die Geräte haben dennoch “keine Mängel”. Man räumt aber ein, dass “allgemein nicht ausgeschlossen werden kann, dass etwaige Auszahlungen von statistisch gesehen zu hohen Gewinnen erfolgten”.
Das Ganze fällt mitten in das Bieterverfahren rund um den Standort Zürich. Die Eidgenössische Spielbankenkommission hat das Bieterverfahren rund um die Spielbank Zürich mit 30. Dezember 2010 abgesschlossen. Aktuell werden in der Schweiz zwei Konzessionen vergeben: Eine in Zürich, eine in der Regionen Neuenburg.
Für Zürich haben sich fünf Unternehmen beworben. Bei dreien ist die österreichische Novomatic beteiligt. Bei einem Gebot ist man Hauptbieter, bei zwei Geboten mit je 19.5 % am Teil. Im Sommer 2011 wird der Schweizer Bundesrat beschließen, wer die Konzession bekommt. Primär wird nicht nur finanzielle Potenz und Know How bewertet, sondern auch eine Abgabe an die Tourismusregion und der Wille, einen Sozialfonds zu führen.
Fünf Bieter für Zürich – Drei Mal Novomatic
Die Bewerbungen für das Casino Zürich haben unterschiedliche Standorte. Die Novomatic will es in der Alten Börse Zürich im 4. und 5. Stock einrichten, andere bevorzugen Um- und Neubauten. Die Steuereinnahmen pro Jahr betragen aus dem Casino Zürich für die Schweiz rund 100 Millionen Franken (Bruttowertschöpfung). Den Zuschlag erhält, wer die meisten Rundum-Leistungen verspricht. Die Rede ist von – je nach Gebot – 230 bis 277 Vollzeitstellen. Daraus lässt sich auch die Umsatzerwartung errechnen. Bei 230 Arbeitsplätzen geht man von 115 Millionen Franken Jahresertrag aus. Andere Bieter prognostizieren mit nur 80 Millionen Bruttospielertrag pro Jahr. Der Standort Zürich erwartet 1.000 – 1.200 Spieler pro Tag, also mehr als 400.000 Gäste pro Jahr. So ist die Prognose.
Die fünf Bieter
Ob die Novomatic nach den Dezember-Ereignissen rund um die Automatenbetrügereien durch die Russen mitten im Bieterverfahren in Zürich etwas reißt, bleibt abzuwarten. Die ACE Holding gründete die Casino Zürich AG und favorisiert die Alte Börse als Spielort.
Auch an der Spielbank Zürich AG ist die Novomatic beteiligt (19,5%). Hauptteilhaber an dieser Firma ist das größte Schweizer Casino, die Spielbank Baden. Spielort wäre das Du Pont Haus.
Novomatic ist parallel an einem dritten Konsortium beteiligt. An der Firma City Casino Zürich AG hält Novomatic mit der Spielbank Baden zusammen 19,5%. Diese Firma bewirbt sich auch, Spielort wäre Sihlporte in der Altstadt. Trotz der Zusage von einem Prozent des Netto-Ertrags an die Zürich Tourismus, wird diesem Konsortium wenig Chance gegeben.
Ein französischer Lizenzwerber (Tranchant) bietet als Grand Casino Zürich AG ebenso mit und würde mit der Lizenz in Sihlcity eher am Rande der Stadt eröffnen.
Die größten Chancen hat der einzige Schweizer Anbieter: Swiss Casinos Zürich AG. Chef dieser Firma ist der Begründer der Hörgerätefirma Sonova Hansueli Rihs. Er will im Zentrum bauen und hat Baubewilligungen seit März 2011. Diese Firma ist bereits an fünf Schweizer Spielbanken beteiligt. Einsprüche gibt es wegen der zentrale Lage und der Angst vor Kriminalität, weswegen ein Einspruch gegen die Baubewilligung vorliegt.
Marcus J. Oswald (Ressort: Spiel und Spass)














